Wissenschaft und Forschung  
Wissenschaft und Forschung:     Alport-Selbsthilfegruppe unterstützt UKJ-Institut
Internationale Gäste am Institut für Humangenetik
Resveratrol als Alternative zu Aspirin?
Untersuchung zur Gewichtsentwicklung von Kindern und Jugendlichen
Altenburger Friseure unterstützen Krebsforschung an Jenaer Kinderklinik
Meldungen aus der Wissenschaft

Heidrun Rhode, Thomas Simon
Thomas Simon, Vorstandsvorsitzender der Alport-Selbsthilfe e.V., übergibt die Spende in Höhe von 10.000 Euro an Dr. Heidrun Rhode vom Institut für Biochemie am UKJ; Foto: privat

10.000 Euro für die Forschung zur Frühdiagnose des Alport-Syndroms

Alport-Selbsthilfegruppe unterstützt UKJ-Institut mit Geldspende und zahlreichen Blutproben

10.000 Euro konnten Anfang November die Mitarbeiter des Instituts für Biochemie am Universitätsklinikum Jena in Empfang nehmen. Die Spende stammt von Mitgliedern der Alport-Selbsthilfegruppe, die das Geld anlässlich ihrer Jahrestagung in Jena dem Team von Dr. Heidrun Rhode übergaben. Auf diese Weise möchten die Betroffenen und ihre Angehörigen die Arbeit der Jenaer Forscher unterstützen, die sich mit verbesserten Diagnosemöglichkeiten beschäftigen. Zusätzlich erhalten die Wissenschaftler zahlreiche Blutproben von Alport-Patienten und gesunden Angehörigen.

"Unser Ziel ist es, dadurch den Patienten mit Alport-Syndrom einen möglichst frühen Therapiebeginn zu ermöglichen", so Dr. Heidrun Rhode. "Wir wissen aus Tierexperimenten und kleinen Studien, dass ein Behandlungsbeginn noch vor dem Einsetzen der erkennbaren Symptome dazu führen kann, dass die Funktion der Nieren fast vollständig erhalten bleibt." Unbehandelt führt das Alport-Syndrom unweigerlich zum Nierenversagen. Die Jenaer Forscher arbeiten daher an der Entwicklung einer Diagnosemethode, mit deren Hilfe die seltene Nierenerkrankung früher als bisher erkannt werden soll. "Erst durch eine Früherkennung wird ein rechtzeitiger Therapiebeginn überhaupt möglich", erklärt Dr. Heidrun Rhode. Der wiederum könnte im Idealfall dazu führen, dass die Betroffenen ihre Nierenfunktion lange Jahre bewahren können.
"Wir freuen uns sehr, dass wir in diesem Forschungsvorhaben dank der großzügigen Spende und der vielen Blutproben jetzt wieder ein gutes Stück vorwärts kommen können", bedankt sich Dr. Heidrun Rhode bei den Spendern. "Dennoch benötigen wir noch viele weitere Blut- und Urinproben von freiwilligen gesunden Spendern möglichst im Alter zwischen drei und 18 Jahren." HR

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Internationale Gäste am Institut für Humangenetik

Nachwuchswissenschaftler besuchten zytogenetische Laborkurse

2. Internationaler Kurs zu Markerchromosomen
Teilnehmer und Organisatoren des 2. Internationalen Kurses zu Markerchromosomen in Jena (1), Vielfarbenänderung von zwei Chromosomen, der Pfeil markiert eine Veränderung am kurzen Arm des Chromosoms (2), Nachweis eines kleinen, überzähligen Markerchromosoms (3); Fotos: Humangenetik

Im November waren 13 Wissenschaftler aus Armenien, Belgien, Brasilien, Griechenland, dem Irak, Kroatien und Thailand zu Gast am Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums. In zwei Kursen mit praktischen Übungen erlernten und übten sie spezielle mikroskopische Verfahren zur Charakterisierung von Chromosomen. "Insbesondere ging es hierbei um diagnostisch relevante chromosomale Veränderungen, die mittels so genannter molekularzytogenetischer Methoden eindeutig und prognostisch verwertbar identifiziert werden können", beschreibt Dr. Anja Weise von der Abteilung Zytogenetik und Karyotypevolution den Kursinhalt. Im Mittelpunkt des ersten Kurses standen Techniken zum Nachweis von Chromosomenstrukturen durch Fluoreszenzfarbstoffe. Das Institut für Humangenetik ist schon seit Jahren weltweit führend in der Entwicklung und Anwendung dieser FISH-Techniken.
Im zweiten mehr theoretisch ausgelegten Kurs wurde eine spezielle zytogenetische Patientengruppe thematisiert: Patienten mit kleinen, überzähligen Markerchromosomen. "Für diese Patientengruppe ist unser Labor seit einigen Jahren bereits der Hauptansprechpartner", so PD Dr. Thomas Liehr, Leiter der Abteilung Molekulare Zytogenetik, "insbesondere wenn es um vorgeburtlich auftretende Markerchromosomen geht." Für den Kurs hatten sich insgesamt 15 Wissenschaftler beworben, die Teilnehmer wurden durch die Firma Abbott GmbH & Co. KG in Wiesbaden unterstützt. Der nächste Kurs ist für 2010 geplant. vdG

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Resveratrol als Alternative zu Aspirin?

Jenaer Pharmakologin für Untersuchungen zu Thrombosetherapie ausgezeichnet

Der Pflanzenwirkstoff Resveratrol wirkt im menschlichen Blut ähnlich hemmend wie Aspirin auf die Aktivität der Blutplättchen und könnte so der Bildung von Blutgerinnseln vorbeugen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Jenaer Pharmakologin Dr. Annegret Balogh, die mit dem Cellagon-Forschungspreis der Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde ausgezeichnet wurde.

Seine vielfältigen und zum Teil sehr spezifischen Wirkungen auf die Gesundheit und die Lebenserwartung machen Resveratrol derzeit zu einer der interessantesten in Pflanzen gefundenen Substanzen. Der zu den Polyphenolen gehörende Stoff ist Bestandteil des pflanzeneigenen Immunsystems und findet sich in einer Vielzahl von Pflanzen, vor allem in roten Trauben. Studien konnten seine positive Wirkung bei Arthritis und Autoimmunerkrankungen nachweisen, im Tierversuch ließ sich zeigen, dass Resveratrol das Tumorwachstum hemmt und die Zellalterung verlangsamt. Auch die vorbeugende Wirkung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist belegt.
"In-vitro-Untersuchungen lassen vermuten, dass Resveratrol die Aktivität von Blutplättchen ähnlich wie Aspirin vermindern kann; wir wollten testen, ob der Pflanzenstoff diese Wirkung auch nach Einnahme im Organismus entfaltet", beschreibt Annegret Balogh die Fragestellung. Zusammen mit Labormedizinern untersuchte die Wissenschaftlerin der Arbeitsgruppe für Pharmakologische Hämostaseologie das Blut von Probanden, die einen Pflanzenextrakt mit einer standardisierten Menge an Resveratrol erhalten hatten. So konnte erstmalig gezeigt werden, dass die Aktivität von Blutplättchen im Organismus nach der Einnahme des Resveratrol enthaltenden Nahrungsergänzungsmittels deutlich vermindert wird.
Weiterhin konnte die Jenaer Pharmakologin nachweisen, dass Resveratrol den gerinnungshemmenden Effekt von Aspirin verstärkt. "Das zeigt, dass beide Stoffe in dieselbe Wirkungskette eingreifen und eröffnet die Möglichkeit, Resveratrol zur Vorbeugung von Thrombosen bei Gerinnungskrankheiten, wie z.B. Herzinfarkten, in der gleichen Weise wie Aspirin einzusetzen, das langfristig zu Magenschäden führen kann", so Balogh, die weitere Untersuchungen zur thrombozytenhemmenden Wirkung von Resveratrol anschließen will. Der mit 5.000 Euro dotierte Forschungspreis wird jährlich von der Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde e.V. auf der Medizinischen Woche in Baden-Baden vergeben. vdG

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Untersuchung zur Gewichtsentwicklung von Kindern und Jugendlichen prämiert

Prävention ist im Vorschulalter und in der Pubertät besonders wichtig

Jenaer Anthropologen ist auf der Gemeinsamen Tagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft und der Deutschen Adipositas-Gesellschaft im November in Berlin einer von drei mit 500 Euro dotierten Posterpreisen verliehen worden.

Ausgezeichnet wurden die Doktorandin Michaela Raabe, Prof. Eberhard Keller, Leiter des pädiatrischen Netzwerkes CrescNet, und PD Dr. Katrin Kromeyer-Hauschild, Leiterin der AG Anthropologie, für ihr Poster "Beurteilung der BMI-Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zwischen 3 und 16 Jahren". In dem prämierten Beitrag wurden die Altersveränderungen des Body-Mass-Index (BMI) anhand der Längsschnittdaten von jeweils ca. 17 000 Jungen und Mädchen untersucht. Dabei sollte herausgefunden werden, ob es kritische Phasen bei der Gewichtsentwicklung gibt und ob diese im Zusammenhang mit dem Ausgangsgewicht der Kinder und Jugendlichen stehen.
Den Ergebnissen der Untersuchung kommt im Hinblick auf die steigende Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas eine große Bedeutung zu, da sie wichtige Informationen über den geeigneten Zeitpunkt für den Einsatz präventiver Maßnahmen liefern. Die noch andauernden Auswertungen zeigen, dass übergewichtige und adipöse Kinder bereits im Vorschulalter besonderer Aufmerksamkeit bedürfen, da ihr BMI schon hier stark ansteigt. In diesem Alter werden aber auch viele normalgewichtige Kinder übergewichtig oder sogar adipös. Darüber hinaus ist der Beginn der Pubertät häufig mit einem derartigen Wechsel der Gewichtsgruppe verbunden. In diesen Altersgruppen sind präventive Maßnahmen besonders wichtig. vdG

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Altenburger Friseure unterstützen Krebsforschung
Jetzt nur keinen Fehler machen... Peter Escher "frisiert" Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf; Foto: privat; Klinikdirektor Prof. James F. Beck informierte die Altenburger Friseurmeisterinnen Beate Thomas und Silvia Knoth (v. r.) sowie Innungs-Obermeister Peter Müller und TV-Moderator Peter Escher über die Jenaer Kinderklinik sowie die Fortschritte auf dem Gebiet der Kinderkrebsforschung; Foto: Vöckler

"Eindrucksvolles Beispiel von Bürger- und Gemeinschaftssinn"

Altenburger Friseure unterstützen Krebsforschung an der Jenaer Kinderklinik

"Dass unsere Spende so unmittelbar dazu beiträgt, die Forschung für krebskranke Kinder zu unterstützen, hätte ich nicht gedacht. Das ist wirklich großartig", freute sich der Obermeister der Altenburger Friseurinnung, Peter Müller, der am 11. November 2009 gemeinsam mit seinen Kolleginnen Beate Thomas und Silvia Knoth sowie MDR-Moderator Peter Escher die Jenaer Kinderklinik besuchte, um Klinikdirektor Prof. Dr. James F. Beck eine 1570-Euro-Spende der "Peter-Escher-Stiftung für krebskranke Kinder" zu überreichen.

Der TV-Moderator hatte sich in seiner Sendung "Ein Fall für Escher" für den Kauf und die Sanierung eines historischen Altenburger Friseurgeschäfts durch die Friseurinnung eingesetzt. "Ein wunderschöner Salon mit einer einzigartigen Ausstattung aus den 1920er Jahren", schwärmte der Moderator. "Wir waren Peter Escher dafür unheimlich dankbar und fragten ihn, wie wir uns revanchieren könnten. ‚Wenn Ihr etwas tun wollt, dann unterstützt meine Stiftung’, meinte Peter und wir haben das auf unsere Art gemacht", sagte Obermeister Müller, der auch Vorsitzender des Fördervereins "Historischer Friseursalon Altenburg e. V." (www.historischer-friseursalon.de) ist. "Am 24. und 25. Oktober, einem Wochenende, haben wir und neun weitere Kolleginnen und Kollegen in unserem historischen Friseursalon, wo nur zu besonderen Anlässen gearbeitet wird, Haare geschnitten und den Erlös von 1570 Euro komplett der Peter-Escher-Stiftung zur Verfügung gestellt", erläuterte Friseurmeisterin Silvia Knoth. "Die Resonanz der Altenburger war enorm, selbst Oberbürgermeister Michael Wolf ließ sich die Haare schneiden und unterstützte den guten Zweck mit einer großzügigen Spende", freute sich Peter Escher, der beim Stadtoberhaupt sogar selbst zur Schere griff. "Allerdings nur für einen einzigen, eher symbolischen Schnitt", schmunzelte Escher.
Die Jenaer Kinderklinik, an der vor fast 30 Jahren die erste Knochenmarktransplantation bei einem krebskranken Kind in der damaligen DDR durchgeführt wurde, gehört zu den profiliertesten Einrichtungen auf dem Gebiet der Krebstherapie und -forschung bei Kindern. "Wir können heute etwa 80 Prozent unserer schwer kranken kleinen Patienten heilen. Allerdings wissen wir bisher noch nicht, warum bei etwa einem Fünftel der Kinder und Jugendlichen die hoch wirksamen Chemotherapien versagen. Um hier weitere Fortschritte zu erzielen, untersuchen wir nicht nur die Gene der Krebszellen selbst, sondern auch deren nähere Umgebung nach Faktoren, die für die Resistenzen gegenüber den Chemotherapeutika verantwortlich sein könnten, und mit Ihrer Spende können wir einen weiteren dieser Faktoren noch in diesem Jahr testen", betonte Prof. Beck, der sich vom Engagement der Altenburger Friseure beeindruckt zeigte. "Das ist ein eindrucksvolles Beispiel von Bürger- und Gemeinschaftssinn", sagte der Klinikdirektor, der gemeinsam mit seinen Gästen die Transplantationsstation der Kinderklinik besuchte, wo diese auch mit einigen der kleinen Patienten und deren Müttern ins Gespräch kamen "und wo wir uns persönlich vom Engagement der Jenaer Kinderärzte, Schwestern und Pfleger, aber auch von der Tapferkeit der kleinen Patienten und deren Eltern überzeugen konnten", betonte Friseurmeisterin Beate Thomas. mv

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Webangebot der Gesundheits-Uni zertifiziert

Das Internetangebot der Gesundheits-Uni Jena (http://www.gesundheitsuni-jena.de/) hat im November 2009, drei Wochen nach dem ersten Launch, ein Qualitätszertifikat für vertrauenswürdige Patienteninformationen erhalten (https://www.healthonnet.org/HONcode/German/?HONConduct949386). Auf dieses Zertifikat weist ab jetzt ein Logo der Health on the Net Foundation hin, das auf der Startseite des Webangebotes des Gesundheits-Uni Jena zu finden ist. Die Health on the Net Foundation HON mit Sitz in Genf ist die zertifizierende Stelle. HON wurde 1995 von führenden Experten der Telemedizin gegründet. Die Einrichtung einer solchen Institution wurde als erforderlich angesehen, um Verbraucher vor Internetangeboten mit fragwürdigen und schädlichen Inhalten zu schützen. Das HON-Logo ist das international bekannteste Qualitätssiegel. Es wird nach gründlicher Prüfung durch Experten jeweils für ein Jahr vergeben. Danach erfolgt ein erneutes Zertifizierungsverfahren.

Spezialistin für Nierenzellkarzinom im EAU-Vorstand

Die Leiterin des Forschungslabors an der Klinik für Urologie, PD Dr. Kerstin Junker, wurde im Oktober zum Board-Mitglied der Sektion "Urological Research" der European Association of Urology (EAU) ernannt. "Ich möchte die urologische Forschung in Deutschland noch besser in die europäische Fachgesellschaft integrieren und die experimentelle und translationale Forschung auf dem Gebiet des Nierenzellkarzinoms stärken", nennt sie ihre Vorhaben für die vierjährige Amtszeit. Junker gehört zum Organisationskomitee für das gemeinsame Forschungssymposium der Europäischen und der Amerikanischen Urologischen Gesellschaft 2011 in Innsbruck. Die EAU vertritt die Interessen von mehr als 16.000 Urologen in Europa und weltweit.

Hochdruckforscher des Klinikums erhielten Nachwuchspreis

Auf dem 33. wissenschaftlichen Kongress der Deutschen Hochdruckliga im November 2009 in Lübeck wurde Dr. Regina Hermann von der Klinik für Innere Medizin III mit einem "Young Investigator Award" ausgezeichnet. Gemeinsam mit Dr. Christian Marx, Max Rau und Professor Gunter Wolf untersuchte sie in ihrem Beitrag "Versorgungsrealität in der Therapie der arteriellen Hypertonie Thüringens", inwieweit bei der Behandlung von Patienten mit Bluthochdruck die Empfehlungen der Fachgesellschaften berücksichtigt werden. "Zum überwiegenden Teil befolgen die Thüringer Ärzte die Therapierichtlinien", fasst Dr. Regina Hermann ihre Ergebnisse zusammen. "In der Indikationsstellung zur Diagnostik bei Bluthochdruckerkrankungen, deren Ursache andere Grundkrankheiten sind, gibt es aber noch Weiterbildungsbedarf."

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