Diagnostik & Therapie  
Diagnostik & Therapie:     Lungen-Re-Transplantation
Kombinations-OP am schlagenden Herzen
Herzwoche
Erfahrungen teilen
Neues Monitoringsystem an der Kinderklinik
Selbstständigkeit auch im Alter erhalten

Martin Breuer, Christian Kreßner, Christoph Schelenz (v. l.)
OA Martin Breuer (l.) und OA Christoph Schelenz (r.) freuen sich über die Fortschritte, die Christian Kreßner nach seiner zweiten Lungentransplantation am Universitätsklinikum Jena gemacht hat; Foto: UKJ

Neue Lebenschance durch zweite Lungentransplantation

UKJ-Herzchirurgen retten 23-Jährigen durch komplizierte Lungen-Re-Transplantation

Mit einer hoch komplizierten Lungen-Re-Transplantation schenkten die Herzchirurgen am Universitätsklinikum Jena einem 23-jährigen Zwickauer eine neue Chance. Der neunstündige Eingriff, bei dem nach einer Abstoßungsreaktion beide neuen Lungenflügel sequentiell in zwei getrennten Schritten transplantiert wurden, erfolgte ohne Herz-Lungen-Maschine. Vor drei Jahren erhielt der junge Patient bereits bei einer ersten Transplantation sowohl neue Lungen als auch eine neue Leber.

Christian Kreßner ist vorsichtig optimistisch. Noch sei das Treppensteigen bis in den vierten Stock etwas schwierig, sagt der junge Mann, kurz bevor er sich nach mehr als zehn Wochen im Jenaer Uniklinikum in den Reha-Aufenthalt verabschiedet. Für seine Ärzte ist allein schon die Tatsache, dass er überhaupt Treppen steigen kann, ein großer Erfolg. Denn mit 23 Jahren wurden bei Christian Kreßner jetzt am Universitätsklinikum Jena zum zweiten Mal die Lungen transplantiert. Dabei standen die Herzchirurgen des UKJ aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes des jungen Patienten vor einer besonders großen Herausforderung. Nach einer ersten, 2006 durchgeführten Transplantation von Lunge und Leber kam Kreßner Mitte September mit einer schweren chronischen Abstoßungsreaktion der transplantierten Lungen nach Jena. Die einzige Rettung in einem solchen Fall ist die erneute Transplantation. Dazu wollte Christian Kreßner gerne wieder in das Zentrum zurückverlegt werden, in welchem er zum ersten Mal transplantiert wurde. "Sein Gesamtzustand war allerdings schon so schlecht, dass das große Lungentransplantationszentrum es ablehnte, ihn zu übernehmen", berichtet sein behandelnder Arzt, Dr. Martin Breuer aus der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Jena. "Wir wollten aber nichts unversucht lassen und setzten ihn mit höchster Dringlichkeit auf die Warteliste für eine neue Lunge."
Der 23-Jährige hatte zum zweiten Mal Glück – ein passendes Organ wurde rechtzeitig gefunden. Neun Stunden lang standen der Chirurg Dr. Breuer und der Anästhesist Dr. Schelenz bei dem hoch komplizierten Eingriff im Operationssaal, um Christian Kreßner eine neue Chance zu schenken. "Da es sich bereits um seine zweite Organübertragung handelte und der Patient zudem sehr geschwächt war, wurde die Transplantation in einer wenig invasiven, also schonenderen, dafür aber sehr viel anspruchsvolleren Operationstechnik im Vergleich zur herkömmlichen Transplantation operiert", erklärt OA Dr. Martin Breuer. "Wir haben die Lungen im Gegensatz zur Erstoperation ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine mit nur kleinen seitlichen Hautschnitten transplantiert. Dabei wurden beide Lungenflügel sequentiell, also nacheinander transplantiert, so dass der jeweils andere Lungenflügel in dieser Zeit die Beatmung sicherstellte."
Diese Methode stellt höchste Anforderungen sowohl an den operierenden Chirurgen als auch an den Anästhesisten. "Ohne eine sehr enge und gute Zusammenarbeit unseres gesamten OP-Teams ist so eine Herausforderung nicht zu meistern", ist Anästhesist Oberarzt Dr. Christoph Schelenz überzeugt. Der haben sich die Jenaer Ärzte in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal gestellt – innerhalb nur einer Woche haben sie zwei der seltenen Lungen-Re-Transplantationen ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt. Auch der zweite Empfänger, ein 26-jähriger Mann aus Berlin, hat nach dem erfolgreichen Eingriff das UKJ schon verlassen können und ist bereits wieder zuhause.
Erholung in häuslicher Umgebung braucht jetzt auch Christian Kreßner, der anschließend nach Usedom zu seinen Eltern ziehen will. Nach Jena soll er erst wieder zu den Nachsorgeuntersuchungen kommen, hoffen seine behandelnden Ärzte. "Wir freuen uns sehr über die großen Fortschritte, die Christian nach dem Eingriff gemacht hat", sagt Oberarzt Dr. Martin Breuer. "Er hat wieder eine richtige Lebensperspektive vor sich. Wir wünschen ihm, dass er sein ‚neues Leben’ ordentlich genießen kann." HR

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Team des Universitätsherzzentrums
Das Team des Universitätsherzzentrums am UKJ bei einem Eingriff im neuen Hybrid-Operation; Foto: Schröder

Einmalige Kombinations-OP am schlagenden Herzen

Herzzentrum am UKJ weiht mit seltenem Eingriff neuen Hybrid-Operationssaal ein

Mit einem bisher einmaligen minimal-invasiven Eingriff am schlagenden Herzen wurde jetzt der neue Hybrid-Operationssaal am Herzzentrum des Universitätsklinikums Jena in Betrieb genommen. In einer fünfstündigen Operation haben die Herzchirurgen und Kardiologen des UKJ dabei einem 80-jährigen Patienten sowohl einen Bypass gelegt als auch einen transapikalen Aortenklappenersatz implantiert. Beide Operationen wurden minimal-invasiv über den gleichen 4,5 Zentimeter großen Schnitt am Brustkorb und ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine am schlagenden Herzen durchgeführt. Der schwerkranke Patient, für den ein herkömmlicher Eingriff aufgrund der Vorerkrankungen nicht in Frage kam, konnte am Abend nach dem Eingriff bereits wieder extubiert werden.

Die bei dieser Operation angewendete Methode der Verbindung zweier minimal-invasiver Eingriffe am schlagenden Herzen ist extrem anspruchsvoll für die Operateure: Die Operation ohne Herz-Lungen-Maschine verlangt schnelles Arbeiten, der minimal-invasive Zugang nur über einen kleinen Schnitt bedeutet, dass der Chirurg sein Arbeitsfeld nur mit Hilfe von Bildübertragungen sehen kann. Voraussetzung für das Gelingen ist dabei eine enge Zusammenarbeit der Herzchirurgen mit den Kardiologen und den Kardioanästhesisten, die in einem Hybrid-Operationssaal gemeinsam an dem zusätzlich mit einem Herzkatheter ausgestatteten Operationstisch stehen. "Dadurch wurde die von uns umgesetzte Kombination der beiden Eingriffe erst möglich", erklärt Herzchirurg Oberarzt Dr. Martin Breuer. "Nach dem Ersatz des Herzgefäßes durch einen Bypass haben wir kathetergestützt transapikal, also direkt über die Herzspitze, eine stentgestützte Herzklappenprothese eingeführt und an Stelle der alten, funktionsuntüchtigen Klappe über eine Ballonaufdehnung entfaltet. Nach unserem Wissen gehören wir damit zu den ersten, die diesen Eingriff in einer solchen Verbindung, minimal-invasiv und ohne Herz-Lungen-Maschine, umsetzen konnten."
Die auf diese Weise schnellere und schonendere Operation bietet vor allem für ältere Herz-Patienten eine neue Chance, für die aufgrund von Zusatzerkrankungen eine herkömmliche Herzoperation mit Herz-Lungen-Maschine und großem Brustkorbschnitt nicht in Frage kommt. "Für diese Hochrisikopatienten können so das Eingriffsrisiko und das Operationstrauma gesenkt werden", erläutert Oberarzt Dr. Dr. Markus Ferrari, Kardiologe am UKJ. "Dank der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Chirurgen und Kardiologen können nun mit solchen minimal-invasiven Eingriffen neue Behandlungsmöglichkeiten für diese in Zukunft weiter wachsende Gruppe von älteren und multimorbiden Patienten entwickelt und angeboten werden." HR

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Herzschwäche rechtzeitig erkennen und effektiv behandeln

Sterblichkeit bei Herzerkrankungen konnte bereits deutlich gesenkt werden

Hans-Reiner Figulla
Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla; Foto: Schröder

Jena ist Spitze beim Kampf gegen Herzerkrankungen, konnte Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla, Direktor der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Jena, am 19. November 2009 verkünden. Bezogen auf alle Herzerkrankungen liegt Jena 32 Prozent unter dem Bundesschnitt und weist unter den rund 430 deutschen Landkreisen und kreisfreien Städten die zweitniedrigste Sterbeziffer auf. Bei den Herzinfarkten sieht es ähnlich gut aus, hier belegt Jena Platz fünf der Rangliste und liegt 58 Prozent unter dem deutschen Durchschnitt. "Das spricht für das ausgeprägte Gesundheitsbewusstsein der Jenaer und zeigt, dass Herzkreislauferkrankungen hier ausgezeichnet medizinisch versorgt werden", betonte Prof. Figulla zu Beginn des Patienten- und Angehörigenseminars "Das schwache Herz", das im Rahmen der alljährlichen Herzwoche gemeinsam mit der Deutschen Herzstiftung veranstaltet wurde.

"In den letzten 20 Jahren ist es uns in Deutschland gelungen, die Sterblichkeit bei Herzerkrankungen zu halbieren. Das ist eine enorme medizinische Leistung, die sowohl durch eine verstärkte Prävention als auch durch eine verbesserte Therapie erreicht wurde. Vor allem aber kommen die Betroffenen heute schneller in die Klinik, wo ihnen effektiv geholfen werden kann. Das kann man auch an der Zahl der Krankenhauseinweisungen von Herzpatienten feststellen, die sich zwischen 1995 und 2007 annähernd verdoppelt haben", erläuterte Prof. Figulla und prognostizierte, dass angesichts der demographischen Entwicklung die Fallzahlen und damit auch die Kosten in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen werden: "Deshalb ist es erforderlich, die Vorsorgekonzepte noch konsequenter umzusetzen und weiter zu verbessern."

Chronische Herzschwäche entwickelt sich schleichend

Auch die chronische Herzinsuffizienz (Herzschwäche) ist weiter auf dem Vormarsch. 1,8 Millionen Deutsche leiden bereits heute daran und jedes Jahr kommen 300.000 weitere hinzu. "Etwa 50.000 sterben jährlich allein in Deutschland an dieser vor allem unter älteren und alten Menschen verbreiteten Krankheit", sagte der leitende Oberarzt der Klinik für Innere Medizin I, PD Dr. Dr. Markus Ferrari. Eine chronische Herzschwäche besteht, wenn die Pumpfunktion des Herzmuskels zu gering ist, um die Organe ausreichend mit Blut zu versorgen. Die Kardiologen unterscheiden zwischen der Rechtsherzschwäche, die unter anderem durch Wassereinlagerungen in den Füßen und später auch in den Organen (bspw. in der Leber) sowie im Bauchraum (Bauchödem) gekennzeichnet ist, und der Linksherzschwäche, die vor allem Luftnot und Wasseransammlungen in der Lunge (Lungenödem) verursacht. "Die häufigste Ursache der chronischen Herzinsuffizienz ist eine Herzmuskelschwäche, die durch Herzmuskelentzündungen oder den Untergang von Herzmuskelgewebe nach einem Herzinfarkt ausgelöst werden kann. Ebenso können Herzklappenerkrankungen, Ablagerungen von Fremdsubstanzen im Herzmuskel, Herzrhythmusstörungen, Herzbeutelergüsse oder Gefäßveränderungen in der Lunge und anderen Organen zu einer chronischen Herzschwäche führen", erläuterte Oberarzt Ferrari. Die Stadien der chronischen Herzinsuffizienz reichen von der Herzschwäche ohne körperliche Einschränkungen (NYHA I) bis zur Luftnot in Ruhe (NYHA IV). Die exakte Diagnose stellen die Kardiologen mit EKG- und Laboruntersuchungen sowie mit Hilfe der Echokardiographie, die den Arzt sehr genau über den Zustand des Herzens informiert. "Trotz aller Erfolge der letzten Jahrzehnte wird die chronische Herzschwäche, die sich schleichend über viele Jahre entwickelt, häufig noch immer zu spät erkannt, was die Prognose für die Betroffenen verschlechtert", erläuterte PD Ferrari.
Eine akute Herzschwäche entwickelt sich plötzlich. Sie kann durch einen Herzinfarkt oder eine Herzmuskelentzündung hervorgerufen werden, aber auch infolge einer chronischen Herzinsuffizienz entstehen und zum kardiogenen Schock führen. Dabei handelt es sich um eine durch die deutlich reduzierte Pumpleistung des Herzens hervorgerufene lebensgefährliche Kreislaufschwäche, in deren Akutphase etwa 40 Prozent der Patienten versterben", betonte Oberarzt Ferrari und erläuterte den Einsatz der intraaortalen Ballonpumpe sowie verschiedener Medikamente bei der Therapie der akuten und chronischen Herzinsuffizienz.
Interessante Zukunftsperspektiven könnten die Forschungen auf dem Gebiet der Stammzelltherapie eröffnen. Deren klinischer Einsatz wird allerdings noch einige Jahre auf sich warten lassen.

Transplantation ist mit Abstand bestes Langzeitverfahren

Nicht immer ist es möglich, die Herzinsuffizienz medikamentös zu behandeln. Die umfangreichen Möglichkeiten der Herzchirurgen von der Bypass- und Herzklappen-Chirurgie über die Implantation von Herzschrittmachern bis zur Herztransplantation und den Einsatz von Kunstherzsystemen stellte Dr. Torsten Bossert vor. Der Oberarzt an der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie des UKJ konzentrierte sich während des Patienten- und Angehörigenseminars aber vor allem auf die Herztransplantation sowie den Einsatz intra- und extrakorporaler Kunstherzsysteme.
Die erste erfolgreiche Herztransplantation wurde 1967 in Südafrika durchgeführt, der 54-jährige Patient überlebte den Eingriff allerdings nur 18 Tage. Auch in den folgenden Jahren war die Verpflanzung menschlicher Herzen mit zahlreichen, oftmals nur schwer kalkulierbaren Risiken verbunden. "Heute ist das Verfahren ausgereift und die Transplantation eines Herzens eigentlich eine relativ einfache Operation. Schließlich sind dafür lediglich vier Nähte erforderlich", verblüffte Dr. Bossert die Zuhörer. "Die größten Probleme sind heute weder die Operation noch mögliche Abstoßungsreaktionen des Körpers, die durch moderne Medikamente unterdrückt werden können, sondern die fehlenden Spenderorgane." Sehr gut sind inzwischen die Überlebenschancen und die Lebensqualität nach einer Herztransplantation. "Die meisten Patienten können mit dem neuen Herzen ein weitgehend normales Leben führen. Deshalb ist bei entsprechend geeigneten und vorbereiteten Patienten mit chronischer Herzschwäche die Transplantation das mit Abstand beste Verfahren im Langzeitverlauf", betonte Dr. Bossert.
Seit vielen Jahren arbeiten Herzchirurgen, Wissenschaftler und Ingenieure an der Entwicklung von Kunstherzsystemen. "Den Mangel an Spenderorganen können wir damit allerdings nicht ausgleichen, weil die verfügbaren Kunstherzsysteme dem menschlichen Herzen nach wie vor deutlich unterlegen sind", erläuterte Herzchirurg Dr. Bossert. Implantiert werden Kunstherzsysteme vor allem, um eine gesundheitliche Stabilisierung des Patienten bis zur Transplantation zu erreichen oder für eine Kurzzeitversorgung nach einem Pumpversagen des Herzens. Lediglich bei – vor allem älteren – Patienten, denen kein neues Herz transplantiert werden kann, sind derartige Systeme als Herzersatztherapie für den Rest des Lebens geeignet. Eine Studie mit Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz im Stadium NYHA IV und einer Pumpleistung unter 25 Prozent, die für eine Herztransplantation nicht geeignet waren, hat gezeigt, dass Patienten mit einem Kunstherzen vor allem im ersten Jahr nach der Implantation eine deutlich bessere Lebensqualität als Patienten aufweisen, die ausschließlich medikamentös behandelt werden. Auch die Sterblichkeit ist deutlich geringer. Allerdings gleicht sich diese nach etwa zwei Jahren an, weil Kunstherzen nur für eine relativ kurze Zeit problemlos funktionieren. Technische Defekte, die nach zwei Jahren verstärkt auftreten, septische Reaktionen sowie Embolien, die Schlaganfälle auslösen können, führen nun ebenfalls zu einer erhöhten Sterblichkeit. "Unsere derzeit vorhandenen Kunstherzsysteme sind für ausgewählte Patienten die letzte Möglichkeit, ihr schlechtes Leben für eine begrenzte Zeit zu verbessern und zu verlängern, mehr ist damit aber leider nicht möglich", betonte Dr. Bossert.

Sport und Bewegung lohnen sich in jedem Alter

Körperliche Inaktivität gehört zu den Hauptrisikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen und für die Gesamtmortalität in Deutschland. "Bewegung und Sport sind aber nicht nur für die Prävention, sondern auch für die Therapie der chronischen Herzschwäche von Bedeutung", sagte die niedergelassene Jenaer Kardiologin Dr. Sigrid Geßner. Regelmäßige Bewegung verbessert in jedem Alter Kraft und Ausdauer, und sie kräftig nicht nur die Arm- oder Beinmuskulatur, sondern auch die Muskelfasern des Herzens. "Die Pumpleistung steigt, die Herzfrequenz wird gesenkt, und das wirkt sich positiv auf das Herz und die Gefäße aus", betonte die Kardiologin.
Sport und Bewegung aktivieren die Durchblutung, machen die Gefäße geschmeidiger und stärken das Immunsystem. Studien haben gezeigt, dass regelmäßiger Sport die Gesamtmortalität um 27 Prozent und die Herzkreislaufmortalität um bis zu 32 Prozent senken kann. Auch das Herzinfarktrisiko sinkt um etwa 30 Prozent. "Bewegung lohnt sich in jedem Alter", sagte Sigrid Geßner und verwies auf besonders geeignete Sportarten wie Radfahren, Walken, Laufen, Schwimmen oder auch Tanzen. Durch regelmäßiges Sporttreiben von mindestens zwei Stunden pro Woche wird außerdem die Fettverbrennung angeregt, und auch der Blutdruck kann auf diese Weise um 10 bis 20 mmHg gesenkt werden.
Wie in jedem Jahr stellte zum Abschluss der gut besuchten Veranstaltung in der Aula der Universität eine Betroffene ihre persönliche Krankengeschichte vor. Die ältere Patientin, die schon seit etwa drei Jahrzehnten unter Bluthochdruck litt und vor allem in den letzten zehn Jahren mehrfach wegen Herzproblemen ambulant und stationär behandelt wurde, erlitt im Juli 2009 während eines Urlaubs in Österreich ein plötzliches Kammerflimmern mit Herzstillstand und konnte nur durch sofort eingeleitete Wiederbelebungsmaßnahmen des Notarztes gerettet werden. "Diagnostiziert wurde eine schwere Herzschwäche, die am Universitätsklinikum Jena durch die Implantation eines Defibrillators sowie eines biventrikulären Herzschrittmachers weitgehend behoben werden konnte", erläuterte der behandelnde niedergelassene Kardiologe Dr. Wolfgang Türk. "Ich habe mich seit Jahren nicht mehr so wohl gefühlt", freute sich die Patienten, die nach der Implantation der Herzunterstützungssysteme wesentlich besser laufen und auch wieder Treppen steigen kann. mv

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Ärzte aus Afrika, Asien und Lateinamerika trainierten laparoskopische Techniken

Wilfried Addo
Dr. Wilfried Addo aus Ghana weiß die ausgezeichneten Trainingsmöglichkeiten beim Jenaer Workshop zur minimalinvasiven Chirurgie zu schätzen

Dr. Wilfried Addo arbeitet im Krankenhaus von Koforidua, einer 90.000-Einwohner-Stadt knapp 100 Kilometer nördlich der ghanaischen Hauptstadt Accra. Dr. Addo ist erstmals in Jena und hat vom Workshop zur minimalinvasiven Chirurgie aus dem Internet erfahren. "In unserer Klinik, wo ich gemeinsam mit einem ghanaischen und einem kubanischen Kollegen operiere, würde ich gern auch laparoskopisch arbeiten. Aber das ist derzeit ein Wunschtraum, denn nach wie vor mangelt es in unserem Gesundheitssystem an vielem, da müssen so moderne Operationsmethoden noch warten", erläutert der Chirurg, der zehn Jahre lang in Deutschland tätig war und seine Facharztweiterbildung am Universitätsklinikum Homburg absolviert hat, in perfektem Deutsch. "Ich habe in Deutschland selbst auch laparoskopisch operiert, umso wichtiger ist es, diese Fähigkeiten zu erhalten und weiterzuentwickeln, und dafür ist dieser ausgezeichnet organisierte Kurs bestens geeignet."

Auch Dr. Tiangeng You war mehrere Jahre in Deutschland tätig, "zunächst am Universitätsklinikum Frankfurt/Main und später an der Universität Mainz, wo ich auch promoviert habe", erläutert er. Dr. You hat bereits vor zwei Jahren am ersten Jenaer Kurs teilgenommen und operiert in seinem Krankenhaus in Shanghai auch minimalinvasiv. "Wir verfügen in China vielerorts zwar über die entsprechende Technik, uns fehlen aber die Trainingsgeräte, um unsere Chirurgen bestmöglich auszubilden und die noch immer viel zu hohe Komplikationsrate zu senken. Deshalb werden die meisten Patienten auch weiterhin offen operiert." Tiangeng You hofft, dass künftig noch mehr chinesische Kollegen die Möglichkeit haben, an derartigen Trainingsprogrammen teilzunehmen und dass solche Kurse bald auch in China angeboten werden.
Tiangeng You
Dr. Tiangeng You, Chirurg aus Shanghai, war bereits zum zweiten Mal in Jena; Fotos: Vöckler

Medizinische Versorgung in der Dritten Welt verbessern

24 Chirurgen aus 18 Ländern vor allem Afrikas, aber auch aus China, Nepal und Uruguay trafen sich zum zweiten Jenaer Workshop zur minimalinvasiven Chirurgie, der anlässlich des Internationalen Symposiums "Sharing Experience", das vom 12. bis 14. November in Jena stattfand und von der Deutschen Gesellschaft für Tropenchirurgie, der AG Frauengesundheit in der Entwicklungszusammenarbeit sowie der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Entwicklungsländer der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie organisiert wurde. "Die Voraussetzungen unserer Teilnehmer sind sehr unterschiedlich. Während in den meisten afrikanischen Ländern – wenn überhaupt – nur am Universitätsklinikum der jeweiligen Hauptstadt laparoskopisch operiert wird, gibt es in China oder Uruguay in vielen Krankenhäusern die erforderlichen technischen Voraussetzungen. Hier fehlt den Chirurgen allerdings häufig die Erfahrung und die können sie bei uns hinzu gewinnen", erläutert der Jenaer Chirurg Dr. Henning Mothes, der sich seit langem für die Verbesserung der medizinischen Versorgung in der Dritten Welt und vor allem in Afrika, wo er mehrere Jahre tätig war, engagiert. Der dreitägige Kurs wurde von der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie und der Frauenklinik des Universitätsklinikums Jena sowie vom Sophien und Hufeland Klinikum Weimar organisiert und von Dr. Henning Mothes und Oberarzt Dr. Stefan Völker (Weimar) geleitet. Neben Fachvorträgen und dem Trainingskurs hatten die Gäste die Möglichkeit, an minimalinvasiven Operationen am UKJ sowie an Kliniken in Bad Berka, Erfurt und Heiligenstadt teilzunehmen. mv

Aus eigener Kraft aus der Armut

"Wenn ich in den fünfziger Jahren einen Sack Erdnüsse verkauft habe, erhielt ich dafür noch ein Fahrrad, heute ist es nicht einmal mehr eine Dose Nescafé", zitierte der Mediziner Prof. Dr. Gangaly Diallo aus Mali seinen Großvater und verwies damit in der vom "Zomba Hospital Projekt e. V." organisierten Podiumsdiskussion "Gebt Helfer, geht!" am 12. November auf ein Grundproblem im Verhältnis von Industrie- und Entwicklungsländern, den Preisverfall einheimischer landwirtschaftlicher Erzeugnisse.
"Nur wenn sich hier etwas ändert und die afrikanischen Produzenten die Möglichkeit erhalten, ihre Erzeugnisse auf dem eigenen und dem Weltmarkt zu fairen Preisen zu verkaufen, haben wir eine Chance, der Armut zu entkommen. Milliarden Dollar Entwicklungshilfe haben das in 50 Jahren nicht geschafft, stattdessen wurde ein eigentlich reicher Kontinent in Armut gehalten, Regierungen korrupt und die Menschen zu Almosenempfängern gemacht", sagte die Informatikerin Veye Tatah aus Kamerun in den bis auf den letzten Platz besetzten "Rosensälen". "Es gibt keine Volkswirtschaft, die ihren Erfolg ausschließlich der Entwicklungshilfe verdankt." Denn diese sei wie eine Droge, von der die Afrikaner möglichst bald entwöhnt werden müssten. "Und es wirkt sich verheerend auf die Mentalität ganzer Nationen aus, wenn diese passiv abwarten, bis Europa, Amerika oder neuerdings auch China Geld schicken, statt ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen", betonte der Mosambikaner Dr. Rui Conzane, der in das Parlament seines Landes gewählt wurde. Sehr viel besser wäre es, in Joint Ventures mit europäischen, amerikanischen oder asiatischen Unternehmen eine leistungsfähige afrikanische Wirtschaft aufzubauen. Zunächst müssten aber die Zollschranken für afrikanische Produkte fallen. Außerdem müssen Europäer und Amerikaner die hoch subventionierten Agrarexporte beenden, die die afrikanischen Produzenten vom eigenen Markt drängen und die EU das Fischereiabkommen aufheben, das die einheimischen Fischer ruiniert.
"Warum", so Veye Tatah, "sollte Afrika nicht gelingen, was Vietnam nach 30 Jahren Krieg und Zerstörung gelungen ist: Mit Hilfe von außen, vor allem aber durch harte Arbeit und wirtschaftliche Reformen aus eigener Kraft den wirtschaftlichen Aufstieg schaffen." mv

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Lebensfunktionen noch subtiler überwachen

Frühgeborenenintensivstation erhielt hochmodernes Monitoringsystem

Monitoringsystem
Die Vitalfunktionen des kleinen Hannes werden mit Hilfe des neuen Monitoringsystems optimal überwacht. Prof. Felix Zintl, PD Axel Hübler und Prof. James F. Beck (v. l.) freuen sich über neun modernisierte Intensivüberwachungsplätze für Früh- und Neugeborene an der Universitäts-Kinderklinik; Fotos: Vöckler

Der kleine Hannes kam 16 Wochen zu früh zur Welt und wog bei seiner Geburt lediglich 820 Gramm. Mitte November 2009, im Alter von elf Wochen, hatte er schon mächtig aufgeholt und sein Gewicht mehr als verdreifacht.

Dass Hannes und sogar noch wesentlich kleinere Frühgeborene an der Universitäts-Kinderklinik Jena so erfolgreich versorgt werden können, ist neben dem fachlichen Können und der Einsatzbereitschaft der Ärzte und Schwestern auch modernen technischen Systemen zu verdanken, die die Vitalfunktionen der Kinder rund um die Uhr exakt überwachen. "Die Kinderärzte und pädiatrischen Intensivschwestern können so anhand der Änderung der Herzfrequenz, der Sauerstoffsättigung des Blutes oder des Blutdrucks frühzeitig mögliche Probleme wie die Verschlechterung einer Infektion, die Verstärkung eines unreifebedingten Atemnotsyndroms oder auch Änderungen im Beatmungsbedarf bei künstlich beatmeten Frühgeborenen erkennen und jederzeit die für den weiteren Behandlungsverlauf richtige Entscheidung treffen", erläuterte der Leiter der Sektion Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin der Universitäts-Kinderklinik, PD Dr. Axel Hübler, bei der Vorstellung eines neuen Überwachungssystems am 18. November 2009. "Das System verbindet neun hochmoderne Intensivplätze mit einem Zentralmonitor und wird die medizinische Versorgung der Frühgeborenen weiter verbessern, weil wir deren Lebensfunktionen nun noch subtiler überwachen können", betonte auch Klinikdirektor Prof. Dr. James F. Beck. Eine Besonderheit des neuen Überwachungssystems ist, dass die Bestimmung des Partialdrucks von Sauerstoff und Kohlendioxid kontinuierlich und nichtinvasiv über die Haut vorgenommen werden kann. "Mit dieser transkutanen Messung werden kritisch kranken Früh- und Neugeborenen zusätzliche Blutentnahmen erspart", erklärte PD Axel Hübler.
Großzügig gefördert wurde die Anschaffung des Überwachungssystems durch die Kinderhilfestiftung e. V. Jena, die mit 90.000 Euro zwei Drittel der Gesamtkosten übernahm. Die weitere Finanzierung erfolgte aus Mitteln des Universitätsklinikums Jena. "Wir freuen uns außerordentlich, dass wir dazu beitragen konnten, die Versorgung der kleinen Patienten weiter zu verbessern", betonte der Vorsitzende der Kinderhilfestiftung, Prof. Dr. Felix Zintl. Die Stiftung hat die Kinderklinik in diesem Jahr mit mehr als 500.000 Euro unterstützt.
Das Perinatalzentrum Jena, eines von nur drei pädiatrischen Zentren in Thüringen, das Frühgeborene, die vor dem Ende der 29. Schwangerschaftswoche geboren wurden, versorgen darf, erreicht im deutschlandweiten Vergleich hinsichtlich des Überlebens vor allem sehr kleiner Frühgeborener überdurchschnittlich gute Behandlungsergebnisse. "Das neue Überwachungssystem bietet eine wichtige technische Voraussetzung, die uns anvertrauten Patienten auch künftig in bestmöglicher Qualität zu versorgen", betonten Prof. Beck und PD Hübler, die auch im Namen ihrer Patienten und deren Eltern der Kinderhilfestiftung und dem UKJ für die finanzielle Unterstützung dankten. mv

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Ergotherapeutische Übungen
Ergotherapeutische Übungen helfen geriatrischen Patienten, wieder eine größere Selbstständigkeit im Alltag zu erreichen

Selbstständigkeit bis in das hohe Alter erhalten

Die aktive Lebensspanne Älterer hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verlängert

Jahrtausende lang wurden "die Alten" ob ihrer Lebenserfahrung und "Weisheit" von den Jüngeren besonders geschätzt und verehrt. In verschiedenen Gesellschaften ist das auch heute noch so, in den westlichen Zivilisationen wird der Begriff "Alter" allerdings eher mit Krankheit und Verlust in Verbindung gebracht. "Das ist eine ausgesprochen einseitige Betrachtung unseres letzten Lebensabschnittes", betonte Dr. Anja Kwetkat während der Jenaer Abendvorlesung. "Denn Alter ist nicht gleich Alter. Während die einen tatsächlich von Krankheiten gezeichnet sind, erleben andere einen langen Lebensabend bei relativ guter Gesundheit." Sie engagieren sich in der Familie oder in sozialen Projekten, und ganz besonders jung gebliebene Alte laufen Marathon oder erklimmen Hochgebirgsgipfel. Rock- und Popstars im Rentenalter begeistern ihr älteres und jüngeres Publikum nicht nur mit ihren zumeist Jahrzehnte alten Hits, sondern auch mit ihrer erstaunlichen Fitness und Kondition bei Livekonzerten.

"Die Alten gibt es nicht, gerade im Alter verzeichnen wir eine enorme Streubreite an Möglichkeiten aber auch an Einschränkungen, und deshalb kann auch die medizinische Versorgung der älteren und alten Menschen nicht einheitlich sein", erläuterte Anja Kwetkat. Dr. Kwetkat ist Kommissarische Direktorin der Klinik für Geriatrie am Universitätsklinikum Jena. Im Jahr 2008 eröffnet, gehört die 39-Betten-Klinik zu den wenigen universitären Einrichtungen für Alterserkrankungen in Deutschland.

Immer mehr Hoch- und Höchstaltrige

Sicheres Treppensteigen
Sicheres Treppensteigen trägt dazu bei, Stürze zu vermeiden; Fotos: Schröder

Ebenso wenig wie es "die Alten" gibt, existiert für "das Alter" eine einheitliche Definition. Laut Weltgesundheitsorganisation sind "alte Menschen" 65 Jahre und älter. Ähnlich wenig aussagekräftig sind das kalendarische und das soziokulturelle Alter. Letzteres beginnt mit dem Ende des Erwerbslebens, also der Zeit zwischen dem vollendeten 58. und 65. Lebensjahr. "Auch das biologische Alter ist individuell sehr unterschiedlich, es ist abhängig vom Lebensstil, vom Gesundheits- und Fitnesszustand aber auch von der persönlichen Haltung, denn an dem Ausspruch ‚Man ist so alt, wie man sich fühlt’, ist tatsächlich etwas dran", sagte Dr. Kwetkat und machte anhand der Bevölkerungspyramide deutlich, dass die Zahl der Alten – und vor allem der Hochaltrigen über 80 und der Höchstaltrigen über 90 Jahre – in den nächsten Jahrzehnten weiter zunehmen wird. "Schon heute sind die Über-90-Jährigen die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe, und im Jahr 2050 werden von den dann voraussichtlich noch etwa 73 Millionen Deutschen mehr als 2,5 Millionen 90 Jahre und älter sein."
Ein großes Problem für viele ältere und alte Menschen speziell in den westlichen Gesellschaften ist das oftmals fehlende familiäre Netz. Immer mehr leben allein, sei es, weil der Partner bereits verstorben ist oder weil die Kinder nicht mehr im Haus oder im selben Ort wohnen.

Organreserven nehmen im Alter immer mehr ab

Bei allen Menschen kommt es im Alter zu einer Veränderung der Organsysteme, wovon nicht nur das Herz, die Nieren, die Lunge, der Magen-Darmtrakt, die Gefäße oder die Haut, sondern auch der Bewegungsapparat und das Nervensystem betroffen sind. Die Muskelmasse nimmt deutlich ab, was vor allem die Sturzgefahr erhöht. Deshalb ist es erforderlich, die Muskulatur in jungen Jahren aufzubauen. Besonders wichtig ist das für Frauen, die genetisch bedingt ohnehin weniger Muskelmasse haben. Gezielte sportliche Übungen helfen allerdings auch noch im Alter, Kraft und Koordination zu verbessern. Das Nervensystem benötigt mit zunehmendem Alter immer mehr Zeit zur Informationsverarbeitung, auch darauf müssen sich diejenigen einstellen, die mit älteren Menschen zu tun haben. "Unsere Organreserven nehmen im Alter immer mehr ab, kommt dann noch eine Krankheit hinzu, können sie schnell aufgebraucht sein", erläuterte Anja Kwetkat. Wissen sollte man auch, dass im Alter der Wasseranteil des Körpers abnimmt. Darüber hinaus haben ältere Menschen ein verringertes Durst- und Hungergefühl, wodurch sich das Risiko für Exsikkose (Austrocknung) und Mangelernährung erhöht. "Deshalb wird Flüssigkeitsmangel von ihnen auch nicht mehr so deutlich wahrgenommen. Dennoch sollten sie pro Tag mindestens eineinhalb Liter trinken, und zwar nicht nur Tee, sondern auch Wasser oder Säfte, damit dem Körper ausreichend Mineralstoffe zugeführt werden."

Mit Beschwerden auch im Alter nicht einfach abfinden

Das Alter muss nicht zwingend mit Multimorbidität einhergehen, insgesamt leiden etwa zehn bis 15 Prozent der Menschen über 65 Jahre an Mehrfacherkrankungen und Einschränkungen ihrer Selbsthilfefähigkeit. "Mehrfach erkrankt ist man, wenn mindestens zwei chronische Erkrankungen gleichzeitig bestehen", erläuterte Dr. Kwetkat und machte zugleich deutlich, dass "es nicht immer möglich ist, alle Erkrankungen zeitgleich optimal zu behandeln und dass sich durch Mehrfachmedikationen das Risiko unerwünschter Arzneimittelnebenwirkungen erhöhen kann". Im Alter verändert sich aber nicht nur die gesundheitliche Situation deutlicher als in anderen Lebensphasen, sondern auch die Haltung vieler Menschen zur Krankheit. Je älter man ist, desto eher findet man sich mit Krankheiten ab, weil man sie ab einem bestimmten Alter für "normal" hält. "Das kann zu einer Unterschätzung von Symptomen und schließlich sogar zum zu späten Erkennen schwerer Erkrankungen führen und für den Betroffenen ernsthafte Konsequenzen haben", betonte Dr. Kwetkat.
Etwas wird allerdings seit Jahren deutlich: Bei den meisten heutigen Alten ist die aktive Lebensspanne, die Jahre, die man auch im Alter in Gesundheit verbringt, wesentlich länger als bei früheren Generationen. Eine möglichst gute Gesundheit und Selbstständigkeit bis in das hohe Alter zu erhalten, ist deshalb auch das Hauptanliegen der von Dr. Anja Kwetkat geleiteten Jenaer Klinik für Geriatrie. mv

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