Wissenschaft & Forschung:    Altersbedingte Makuladegeneration
Aortenklappenbioprothese in der Entwicklung
6. STS-Meeting in Weimar
Kongressbesuch in Bratislava
Wissenschaftliche Nachwuchsförderung

Altersblindheit früher erkennen

Untersuchung am Laser-Scanning-Ophthalmoskop
Dozent Dr. Dietrich Schweitzer untersucht einen Probanden am Laser-Scanning-Ophthalmoskop; Foto: Schröder

Als eines von elf Projekten ist am 20. November 2002 ein Forschungsvorhaben der Jenaer Universitäts-Augenklinik mit dem Medizintechnikpreis des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ausgezeichnet worden. 200.000 Euro werden in den nächsten beiden Jahren in ein Projekt der Arbeitsgruppe "Experimentelle Ophthalmologie" fließen, das mithelfen soll, den Pathomechanismus eines Krankheitsbildes aufzuklären, das im Alter gehäuft auftritt: die altersbedingte Makuladegeneration (AMD).

"Bei dieser Krankheit kommt es zu einer Anhäufung von Stoffwechselendprodukten in der Netzhaut, die nicht mehr im erforderlichen Maße abgeführt werden können", erläutert der Leiter der Arbeitsgruppe, Dozent Dr.-Ing. habil. Dietrich Schweitzer. Dies hat eine Schädigung des Pigmentepithels und schließlich auch der Lichtrezeptoren zur Folge. Besonders betroffen ist davon die Makula, die Stelle des schärfsten Sehens, weil dort die Rezeptordichte am größten ist. "Die AMD führt bei Menschen oberhalb des 65. Lebensjahres mit einer Wahrscheinlichkeit von 20% und bei Patienten von über 75 Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 30% zum teilweisen Erblinden, was in diesem Falle heißt, dass die Betreffenden nicht mehr zentral scharf sehen können. Nur das periphere Sehen bleibt erhalten."

Veränderungen erkennen, wenn diese noch reversibel sind

Intensitäts- und Lifetime-Bilder
Intensitätsbilder (li:); Lifetime-Bilder (re.)
oben: Bild der Autofluoreszenzintensität der Papille (Sehnervenkopf).
Mitte: Bild der Autofluoreszenzintensität. Der große dunkle Kreis ist die Makula, die Stelle des schärfsten Sehens. Der Verlauf der Kapillaren in der Netzhaut ist noch erkennbar. Das Bild ist eine Überlagerung einer Reihe von schwachen Autofluoreszenzbildern. Die Bildüberlagerung erfolgte anhand von simultan aufgenommenen Reflexionsbildern.
unten: Bild der Fluoreszenzintensität aus dem temporalen Gebiet der Papille

Das Tückische an der Erkrankung ist, dass es zumeist bereits zu spät ist, wenn der Arzt sie erkennt. "Derzeit gibt es bei einigen Formen der AMD die Möglichkeit, mittels einer fotodynamischen Therapie das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten oder durch chirurgische Verfahren wie die Makula-Rotation das zentrale Sehen wieder zu verbessern." Gerade die Makula-Rotation - dabei wird die Makula an einen Ort verlegt, wo noch ausreichend gesundes Pigmentepithel vorhanden ist - zieht zahlreiche Korrekturoperationen nach sich, um bspw. das durch die Verlegung der Makula bedingte Schielen wieder zu beseitigen. "Wir wollen den Ärzten helfen, die Veränderungen zu einem Zeitpunkt zu erkennen, wenn diese noch reversibel sind. So könnte es gelingen, das Übel vielleicht doch an der Wurzel zu packen", erläutert Dr. Schweitzer. Man vermutet, dass bei der altersbedingten Makuladegeneration vor allem Stoffwechselveränderungen eine Rolle spielen und hat auch verschiedene Risikofaktoren im Visier: das Alter, eine genetische Prädisposition aber auch Ernährungsdefizite. "Unserer Nahrung fehlt es zunehmend an Beta-Karotenen wie Lutein und Zeaxanthin. Diese sind aber für die Bildung des Makulapigments Xanthophyll notwendig, das seinerseits die Netzhaut im Bereich des schärfsten Sehens schützt." Ein gesteigerter Verzehr von Brokkoli, Spinat oder Paprika würde hier vorbeugend wirken.

Den Medizinern Werkzeuge liefern

"Wir können als physikalisch-technisch orientierte Arbeitsgruppe nicht den Pathomechanismus der Erkrankung aufdecken, das ist die Aufgabe von Biochemikern und Molekularbiologen. Wir wollen aber Werkzeuge liefern, mit denen man diesem Ziel vielleicht ein Stück näher kommt. Dazu haben wir in Jena Voraussetzungen, die - ohne Übertreibung - weltweit einmalig sind: den naturwissenschaftlichen Vorlauf in unserer Arbeitsgruppe und bei unseren Partnern aus den Universitätsinstituten, die Erfahrungen und Ideen unserer Industriepartner vor Ort sowie die klinische Anwendung in der Augenklinik, aus der auch die Aufgabenstellung kommt."
Im Rahmen des aktuellen Vorhabens versucht die dreiköpfige Forschergruppe herauszufinden, welche Substanzen des Stoffwechsels für welche Veränderungen am menschlichen Auge verantwortlich sind, um so den Verlauf der Erkrankung auf molekularer Ebene nachzuvollziehen. Auf diese Weise können wir dem Theoretiker und später auch dem Kliniker wichtige Informationen für die Entwicklung einer möglichen Therapie geben", so Dr. Schweitzer. Die Jenaer Wissenschaftler nutzen dabei eine spezielle Eigenschaft von Substanzen, die am Stoffwechsel beteiligt sind: Diese fluoreszieren, nachdem sie mit Laserlicht angestrahlt wurden. Zusätzlich ändern sich diese Fluoreszenzeigenschaften hoch empfindlich bei einem Mangel an Sauerstoff in den Zellen. "Um das Auge zu schonen und mögliche weitere Schädigungen zu vermeiden, arbeiten wir dabei mit extrem schwachen Lichtpulsen von sehr kurzer Dauer - in unserem Falle sind dies lediglich 100 Piko-Sekunden. Wir verwenden für diese Untersuchungen ein Laser-Scanning-Ophthalmoskop, das mit einem Kurzpuls-Halbleiterlaser mit einer Wellenlänge von 446 nm gekoppelt wurde. Mit diesen Pulsen tasten wir den Augenhintergrund zweidimensional ab und erhalten eine zeitliche Verteilungsfunktion der detektierten Photonen, die wir entsprechend ihrer Fluoreszenzabklingzeit den verschiedenen Stoffwechselprodukten zuordnen können." Gelänge es, die Ursachen der Erkrankung aufzudecken, wäre es auch möglich, präventiv zu intervenieren und den Betroffenen viele Ängste, operative Eingriffe oder dauerhafte Einschränkungen des Sehvermögens zu ersparen. "Es müssten dann entsprechende Risikokriterien wie die Makulapigmentdichte oder bestimmte genetische Prädispositionen erarbeitet werden. Vielleicht könnte dann ab dem 50. oder 60. Lebensjahr eine Reihenuntersuchung durchgeführt werden, um gefährdete Personen zu erkennen."
Aber all dies ist noch Zukunftsmusik und vielleicht handelt es sich bei der altersbedingten Makuladegeneration ja doch "nur" um einen beschleunigten natürlichen Alterungsprozess ... mv

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Aortenklappenbioprothese erfolgreich in der Entwicklung

Jenaer Kardiologen erhielten Innovationspreis auf der "medica 2002"

Doktorand Igor Tenner (li.) und Dr. Dr. Markus Ferrari
Doktorand Igor Tenner (li.) und Dr. Dr. Markus Ferrari im Forschungslabor beim Testen des Aortenklappenstents am Kreislaufmodell; Abb.: Klinik für Innere Medizin III

Vor 8 Jahren begannen Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla und Dr. Dr. Markus Ferrari in Göttingen ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für einen Aortenklappenstent, die beide an ihrer neuen Wirkungsstätte am Universitätsklinikum Jena erfolgreich fortsetzten. Auf der Medizinfachmesse "medica 2002" in Düsseldorf konnten sie nun dafür den Innovationspreis des Bundesforschungsministeriums entgegennehmen, verbunden mit der Zusicherung zur weiteren Förderung des Projektes mit 200.000 Euro. "In Jena bietet uns die Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IFO) die besten Voraussetzungen für unsere Arbeit", erklärte Prof. Figulla und nicht zuletzt aus diesem Grund sei er 1997 dem Ruf auf eine Professur für Kardiologie nach Jena gefolgt. Mit der Inbetriebnahme des Klinikumsneubaus im kommenden Jahr - das Gespräch mit den Kardiologen konnte bereits in der neuen Cafeteria geführt werden - wären auch die besten Voraussetzungen für eine intensive Fortführung der Forschungsarbeiten und den späteren klinischen Einsatz gegeben, dann auch in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Herzchirurgen.

Steigender Bedarf an Aortenklappenersatz im höheren Lebensalter

Stent und Einführkatheter
Stent und Einführkatheter

Die Lebenserwartung der Menschen wird in den nächsten Jahren noch weiter steigen. Mit dem Alter nehmen aber auch die Erkrankungen der Aortenklappe immer mehr zu und nicht selten muss sie durch eine künstliche oder biologische Klappe ersetzt werden. Bisher geschieht dies in aller Regel durch eine Operation am offenen Herzen und dies bedeutet insbesondere für den älteren Patienten durch Narkose und den Einsatz der Herz-Lungen-Maschine eine hohe Belastung. Es gibt aber auch eine Reihe von Patienten, die durch das hohe Alter oder das Vorliegen anderer Erkrankungen diese physische und psychische Belastung nicht mehr verkraften würden. Eine Alternative bietet ein Klappenersatz durch eine "Aortenklappenstent-Prothese", die durch einen minimal-invasiven Eingriff über die Leistenschlagader (Femoralarterie) implantiert werden könnte. Sie ist vor allem für multimorbide Patienten im höheren Alter gedacht, denen durch dieses Produkt eine verbesserte Lebensquantität und vor allem Lebensqualität ermöglicht werden soll. In den aus Nitinol, einer Speziallegierung, bestehenden Stent wird die Bioprothese eingenäht. Sie ist aufgespannt etwa 28 mm groß und wird mit dem Stent auf 7 mm zusammengefaltet. Der Nitinol-Stent, ein faszinierendes und für den jeweiligen Patienten individuell und computergesteuert hergestelltes Gebilde, ist dabei auf eine Temperatur von 4°C abgekühlt und in dieser Phase sehr weich und biegsam. In diesem Zustand wird er mit Hilfe eines Spezialkatheters über die Leistenschlagader eingeführt. Hat der Stent dann seinen vorher bestimmten Platz erreicht, entfaltet er sich buchstäblich wie ein Regenschirm und die an seiner Außenseite befindlichen kleinen Widerhäkchen verankern sich fest in der Gefäßwand. Nach der endgültigen Platzierung erwärmt sich der Stent rasch durch den Blutkontakt auf die Körpertemperatur von 37°C, wodurch er sich aufspannt und so die für die Funktion notwendige Festigkeit und Stabilität erlangt.

Langzeitergebnisse im Tierversuch sind Voraussetzung für klinische Erprobung

"Wir haben nach einer intensiven, rein technischen Versuchsphase die ersten Akutversuche, die über 6 Stunden laufen, bei Schweinen erfolgreich vorgenommen", erklärte Dr. Ferrari. Als nächster Schritt seien jetzt chronische Versuche mit einer Laufzeit von 6 Monaten geplant, die Ende 2003 die ersten Langzeitergebnisse liefern sollen. Wie bei vielen Forschungsprojekten ist auch hier das Zulassungsverfahren noch sehr kompliziert und verlangt etwa 600 Millionen Testzyklen des Aortenklappenstents im Labor sowie diverse Tierversuche, welche tierschutzgerecht ausgeführt werden müssen. Diese Schritte sind aber auch unbedingt notwendig, erklärte Prof. Figulla, und deshalb könne es die ersten klinische Experimente am Patienten frühestens in zwei bis drei Jahren geben.
Der Bedarf für eine Aortenklappenbioprothese ist heute schon sehr hoch und wird mit der Erhöhung des durchschnittlichen Lebensalters weiter steigen. Gleichsam als Bestätigung dieser Aussage rief während des Gespräches mit Dr. Ferrari eine Dame aus Bayern an. Sie hatte von der Möglichkeit des Aortenklappenersatzes gehört und hofft nun, dass ihrer an einer Aortenklappeninsuffizienz leidenden 70-jährigen Mutter durch ein solches Behandlungsverfahren geholfen werden kann. "Wir bekommen schon recht häufig derartige Anrufe", so Dr. Ferrari, "aber leider müssen wir heute noch erklären, dass der Einsatz am Patienten derzeit nicht möglich ist". Gerade diese Nachfragen seien aber für das Forschungsteam auch besondere Motivation, intensiv an dem Verfahren weiter zu arbeiten und die Umsetzung in die klinische Praxis zu beschleunigen. "Das Verfahren soll eines Tages die Operation von defekten Aortenklappen ersetzen und dem älteren Patienten das Leben bei hoher Lebensqualität verlängern helfen", resümierte Prof. Figulla. Dabei sehe er sich aber keineswegs als "Konkurrent" für die Herzchirurgen. Vielmehr könne man künftig gemeinsam festlegen, welche Art der Behandlung der Aortenklappeninsuffizienz für den Patienten nach Prüfung aller Umstände die bestgeeignete ist. jh

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Signaltransduktion - ein interdisziplinäres Forschungsfeld

250 Wissenschaftler beim 6. STS-Meeting in Weimar

Die Forschungsergebnisse aller Bereiche werden immer stärker durch ein hohes Maß an Interdisziplinarität geprägt. Dieses Anliegen verfolgt auch die 1998 gegründete Gesellschaft für Signaltransduktion (Signal Transduction Society), die inzwischen über 300 Mitglieder zählt und sich intensiv und erfolgreich um Internationalisierung bemüht.

PD Dr. Karlheinz Friedrich ist Gründungsmitglied dieser Gesellschaft und deren designierter Präsident ab 2003. Er leitet in Jena am Institut für Biochemie I das Genlabor, einen kleinen, aber wissenschaftlich sehr aktiven Bereich. Dafür stehen u.a. zwei DFG-Projekte, ein über die Novartis-Stiftung gefördertes Projekt sowie die aktive Mitarbeit im Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung. Er war mitverantwortlich für die Organisation und Durchführung des 6. Joint Meetings, zu dem sich im November in Weimar ca. 250 Wissenschaftler versammelten und auf dem die neuesten Ergebnisse aus der Signaltransduktionsforschung vorgestellt und diskutiert wurden. Das wissenschaftliche Programm umfasste sieben Plenarsymposien mit jeweils einem aktuellen Forschungsgebiet. Neben molekularen Komponenten von Signalwegen standen Mechanismen zellulärer Reaktionen im Mittelpunkt des Interesses. Die Erzeugung, Weiterleitung und Umsetzung von molekularen Signalen ist eine der Grundlagen aller biologischen Systeme und von elementarer Bedeutung für alle Gebiete der molekularen Biowissenschaften. Die zelluläre Signaltransduktion ermöglicht es, krankhafte Prozesse auf fehlerhaften oder fehlenden Botenaustausch in der Zelle zurückzuführen. Zusammenhänge zwischen fehlgeleiteten Signaltransduktionen und krankhaften Veränderungen lassen sich z.B. bei Krebserkrankungen nachweisen. Dabei können Zellen das Signal zum "Wachstums-stop" nicht mehr aufnehmen. Die Wissenschaftler erforschen hier den Defekt in der Signalkette und können auf der Grundlage dieser Erkenntnisse die Entwicklung von Therapiemöglichkeiten ("maßgeschneiderte Medikamente") fördern. Die Signaltransduktion entwickelte sich schnell zu einem Forschungsgebiet, das von einer großen Interdisziplinarität geprägt wird. Biochemiker, Immunologen, Naturwissenschaftler und Kliniker sitzen dabei gewissermaßen in einem Boot.
Ein Hauptanliegen des Meetings bestand auch darin, Kollegen aus den akademischen Bereichen und der Industrie zusammenzuführen. "Wir wollen mit unserer Arbeit dazu beitragen, die Kluft zwischen diesen Partnern einzuebnen", sagte Dr. Friedrich. Vor allem jungen Unternehmen aus der Region wurde in einem Workshop "Bench to Business" Gelegenheit zur Präsentation ihres Leistungsspektrums gegeben. Die Biotech-Region Jena mit einem außerordentlich großen Potenzial an solchen Leistungen biete sich für eine enge Beziehung zwischen Grundlagenforschung und kommerzieller Nutzung in ganz besonderer Weise an. jh

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Auszeichnung
Prof. Dr. Dr. Dieter Schumann (5.v.l.) gehörte zu den Ausgezeichneten

Kongressbesuch in Bratislava

50. Jahrestag der Gründung der ältesten Klinik für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie der Slowakei

Am 4. und 5. Oktober diesen Jahres fand in der Hauptstadt der Slowakischen Republik aus Anlass des 50. Jahrestages der Gründung der Klinik für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie der Comenius-Universität Bratislava ein Internationaler Kongress statt. Auf Einladung des Direktors der Klinik, Herrn Professor Jozef Fedeleš, reisten der Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie/Plastische Chirurgie, Prof. Dr. Dr. Dieter Schumann, und seine Mitarbeiterin, die Leiterin des Speziallabors für experimentelle Mikrochirurgie, Dipl.-Biol. Silvia Marsch, in die Slowakei.

Die Beziehungen der beiden Kliniken reichen bis in die frühen 80er Jahre zurück. Professor Fedeleš, damals Oberarzt seiner Klinik, besuchte einen der ersten Jenaer mikrochirurgischen Übungskurse, die übrigens noch heute mit Erfolg durchgeführt werden. Nicht ohne Stolz kann die Klinik für MKG-Chirurgie behaupten, einen Anteil an der Profilierung der Klinik in Bratislava zu haben. Dass die slowakischen Kollegen das ebenso einschätzten, kam in der Auszeichnung Professor Schumanns mit der Silbermedaille der Medizinischen Fakultät, die ihm und weiteren verdienten Chirurgen aus verschiedenen Ländern Europas überreicht wurde, zum Ausruck.
Die Klinik von Professor Fedeleš führt jährlich ca. 5000 Operationen durch, die auf die kraniofaciale und Spaltchirurgie, die rekonstruktive Chirurgie, die Handchirurgie, die Mikrochirurgie und die ästhetische Chirurgie fokussiert sind. Diese Schwerpunkte der ärztlichen Versorgung waren auch die Hauptüberschriften der einzelnen Sessionen des Kongresses. Den 120 Teilnehmern, davon 70 ausländischen aus 10 Ländern, wurden mehr als 40 wissenschaftliche Vorträge geboten und zur Diskussion gestellt. Prof. Schumann eröffnete mit seinem Beitrag über eine "Longitudinalstudie (18 und 12 Jahre) zum ,Jena-Protokoll’ der interdisziplinären Therapie von Patienten mit Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten" den wissenschaftlichen Teil des Kongresses. Die angeregte Diskussion zeugte von großem Interesse für die Jenaer Erfahrungen mit der komplexen Spaltträgertherapie. Auch der zweite Beitrag der Klinik aus dem Bereich experimentelle Mikrochirurgie zum Thema "Neuartiges Biomaterial als Mikrogefäßersatz" fand reges Interesse, insbesondere bei Kollegen aus Brno, die selbst an einem solchen Thema arbeiten. In Gesprächen mit den Kongressteilnehmern, die außerhalb des offiziellen Kongressgeschehens stattfanden, wurde über gemeinsame Projekte gesprochen, denn einige der Teilnehmer waren bereits in Jena und sind im Besitz eines Zertifikates des Mikrochirurgie-Kurses. Es lag nahe, Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit Forschern aus Bratislava, Brno oder Prag zu prüfen. Auf diese Weise konnte ein wichtiges Anliegen der Veranstalter umgesetzt werden, das Forum für den Aufbau von Kontakten zwischen den östlichen und westlichen Ländern Europas anzuregen bzw. zu intensivieren, um im Erfahrungsaustausch voneinander profitieren zu können.

Silvia Marsch, Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie/Plastische Chirurgie

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Die Preisträger
Die Preisträger D. Sonntag, K. Breitung und A. Köhler (v.l.)

Wissenschaftliche Nachwuchsförderung

5. Friedrich-Ludwig-Hesse-Symposium in Leipzig mit Preisträgern aus Leipzig, Jena und Marburg

Am Vorabend des 5. Friedrich-Ludwig-Hesse-Symposiums besuchten die Teilnehmer das Kabarett "academixer" und stimmten sich damit angenehm auf die nachfolgende wissenschaftliche Veranstaltung am 11. Oktober ein.

Die Schirmherrschaft des nach dem ersten Lehrstuhlinhaber des 1884 gegründeten Zahnärztlichen Instituts an der Universität Leipzig benannten Symposiums oblag traditionell Herrn Prof. Dr. K. Merte, Direktor der Poliklinik für Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. Mit den Worten "In einer Zeit, in der neue Kommunikationsmöglichkeiten - man geht davon aus, dass gegenwärtig global jeder Bürger im Jahr 100 E-Mails versendet - rasant wachsen, gewinnen wissenschaftliche Tagungen an Wert, weil sie nicht nur Forschungsergebnisse präsentieren, sondern auch dem Gedankenaustausch der Wissenschaftler dienen", eröffnete Prof. Merte die Veranstaltung, die alle zwei Jahre im Oktober in Leipzig stattfindet. Das Symposium bietet Studenten und jungen Wissenschaftlern eine Bühne zur Präsentation erster wissenschaftlicher Leistungen und will damit den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern.
Die Themenschwerpunkte der diesjährigen Tagung waren auf die Zahnerhaltung unter Einbeziehung neuer präventiver und kurativer Verfahren ausgerichtet. Das Anliegen des Symposiums stieß auch in diesem Jahr mit 21 Teilnehmern wieder auf große Resonanz: 11 Beiträge kamen allein von der Jenaer Universität. Die wissenschaftliche Atmosphäre war durch eine schwerpunkt- und themenübergreifende Diskussion geprägt. Die drei besten Arbeiten wurden prämiert. Die Preise stiftete die Firma Ivoclar Vivadent AG, die darin einen Beitrag zur Förderung junger wissenschaftlich engagierter Zahnärzte sieht. Eine aus Hochschullehrern bestehende Jury vergab die Preise. Der erste Preis, eine Teilnahme an der Jahrestagung der International Association for Dental Research (IADR) im Jahre 2003 in Göteborg, wurde an Herrn K. Breitung unter Mitautorenschaft von A. Kaetzke, K. Eschrich, St. Rupf, K. Merte und S. Kneist (Poliklinik für Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie der Universität Leipzig in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit dem Institut für Biochemie der Universität Leipzig und der Poliklinik für Präventive Zahnheilkunde der Universität Jena) für seine Arbeit "DNA-Fingerprinting und MALDI-TOF Massenspektrometrie zur Untersuchung oraler Mutans-Streptokokken" vergeben. Die zwei weiteren Preise, eine Teilnahme an einer Fortbildungsveranstaltung eigener Wahl im Zentrum für Weiterbildung der Firma Ivoclar Vivadent AG Ellwangen erhielten Herr A. Köhler unter Mitautorenschaft von B. Sigusch, S. Schleier, A. Pfitzner, G. Klinger und E. Glockmann (Poliklinik für Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie der FSU Jena) und Herr D. Sonntag unter Mitautorenschaft von A. Guntermann und V. Stachnis (Poliklinik für Konservierende Zahnheilkunde der Universität Marburg) für ihre Arbeiten "Fotodynamische Therapie bei mit parodontopathogenen Bakterien infizierten Beagle-Hunden - Pilotstudie" und "Maschinelle Aufbereitung stark gekrümmter Wurzelkanäle im Phantomkurs für Zahnerhaltung". Gewonnen haben darüber hinaus alle, die am Symposium teilnahmen und von der gemeinsamen und anregenden Diskussion profitierten. Für die perfekte Organisation dankten die Teilnehmer einhellig Frau Dr. A. Arnold. Das 6. Symposium im Oktober 2004 sollten sich Hochschullehrer zur Förderung von Studenten und jungen Mitarbeitern vormerken. Der feierliche Rahmen dieses Symposiums soll gleichzeitig an das 120-jährige Bestehen der Leipziger Universitäts-Zahnklinik erinnern.

PD Dr. Susanne Kneist, Poliklinik für Präventive Zahnheilkunde

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