Diagnostik und Therapie  
Diagnostik & Therapie:  Gesunde Lunge - gesunder Mensch
Organspenden sind lebensnotwendig
Fertilitätsvorsorge für Tumorpatienten

Gesunde Lunge - gesunder Mensch

Kongress und Aktionstag zum Thema "Lunge" in Jena

Dr. Frank-Michael Pietzsch
"Was ist uns unsere Gesundheit wert?" fragte Gesundheits- und Sozialminister Dr. Pietzsch
Foto: Vöckler

Unsere Lunge ist ein Organ, das täglich Schwerstarbeit zu verrichten hat. Bei einem Fassungsvermögen von 3 bis 7 Litern Luft werden am Tag etwa 20 Hektoliter Luft inhaliert. 10.000 Liter Blut strömen durch das Organ und sorgen dafür, dass der Körper mit Sauerstoff versorgt wird. Allein diese Fakten unterstreichen die Bedeutung unserer Lunge und sollten immer wieder daran erinnern, wie wichtig die Erhaltung der Lungenfunktion ist. Das erste Wochenende im Dezember beschäftigte sich ausführlich mit dem Thema "Lunge": Für die Fachleute ein Kongress über "Neue, schonende Therapieverfahren bei fortgeschrittenen Lungenerkrankungen", organisiert von Prof. Dr. Thorsten Wahlers und PD Dr. Johannes Albes (Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie) sowie Prof. Dr. Dr. Claus Kroegel (Klinik für Innere Medizin IV). Für die Bevölkerung ein Aktionstag in der "Goethe-Galerie" unter dem Motto "Gesunde Lunge - gesunder Mensch." Noch immer sterben zu viele Menschen an den Folgen chronischer Lungenerkrankungen. Die Gründe sind hinreichend bekannt und vielfach beschrieben worden: In erster Linie der Nikotinmissbrauch aber auch das Einatmen schädlicher Stoffe über längere Zeiträume. Jährlich werden etwa 50.000 Neuerkrankungen an Lungenkrebs in Deutschland registriert, oftmals erst in einem sehr späten Stadium erkannt, da in aller Regel lange Zeit keine Symptome auftreten, obwohl sich z.B. die bildgebenden Verfahren zur Diagnostik deutlich verbessert haben. "Rauchen ist Selbstmord auf Raten", sagte PD Johannes Albes zum Thema Nikotinmissbrauch und aus seiner klinischen Tätigkeit kann er über starke Raucher mit Lungenkrebs berichten, "die jämmerlich zugrunde gegangen sind." Er machte aber auch allen Hoffnung, die bereit sind, sich von diesem Laster zu trennen. Nach 15 Jahren Zigarettenabstinenz könne das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, durchaus auf das eines Nichtrauchers absinken.

Interdisziplinäre Behandlungskonzepte sind notwendig

Lungenfibrose (hier wird aktives Lungengewebe allmählich durch Bindegewebe ersetzt) und Lungenemphysem (Überblähung der Lunge) sind weitere chronische Lungenerkrankungen, die auf dem Kongress diskutiert wurden. Vor allem interdisziplinäre Behandlungskonzepte und Zusammenarbeit bilden hier die Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Bessere Ergebnisse werden auch durch chirurgische Behandlungskonzepte mit schonender Technik, optimierte strahlentherapeutische Maßnahmen und nicht zuletzt durch neue verträgliche Chemotherapieverfahren erwartet und durch medikamentöse Maßnahmen untersetzt. Der Kongress hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die möglichen Therapieverfahren, von der konservativen Behandlung bis hin zur Lungentransplantation vorzustellen und zu diskutieren. Letztere ist dann sicherlich der Endpunkt der medizinischen Möglichkeiten, eine Operation, die schwierig und aufwendig ist und in Deutschland etwa 150 Mal pro Jahr in wenigen Zentren vorgenommen wird. Das Klinikum Jena gehört zu diesen Einrichtungen und betreut derzeit etwa 100 Patienten einschließlich der Nachsorge.

Vorsorge ist von besonderer Bedeutung

Weil die schwerwiegenden Erkrankungen der Lunge meist in einem relativ späten Stadium erkannt werden, ist die Vorsorge von besonderer Bedeutung. Sehr viele Menschen machen sich über die Gesundheit ihrer Lunge auch wenig Gedanken. Nicht nur die in der Adventszeit viel beschäftigten Blasmusiker brauchen eine gut funktionierende Lunge. Die Aktion "Gesunde Lunge - gesunder Mensch" in der "Goethe-Galerie" vermittelte Aufklärung und Information, gab aber auch jedem die Gelegenheit, seine eigene Lunge zu testen. Dr. Frank-Michael Pietzsch, Thüringer Minister für Soziales, Familie und Gesundheit sprach auf dem Kongress zum Thema "Was ist uns unsere Gesundheit wert?" und richtete seine Worte dabei nicht nur an die Kongressteilnehmer, sondern via Großleinwand auch an die vielen Besucher des Aktionstages. Die Antwort muss letztendlich jeder für sich selbst finden. Die Hilfestellung dazu wird in vielfältiger Weise von den Medizinern und zahlreichen mit diesem Thema befassten Organisationen angeboten, wie diese Veranstaltung eindrucksvoll bewiesen hat. jh

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Organspenden sind lebensnotwendig

Spendenbereitschaft ist noch immer viel zu gering

Die Zahl der Patienten mit einer chronischen, nicht mehr heilbaren Organschädigung nimmt ständig zu. Ihr Leben kann durch künstliche Organe (z.B. künstliche Niere) oder durch Übertragung eines Spenderorgans (Transplantation) gerettet und erhalten werden. Derzeit werden in Deutschland pro Jahr etwa 2600 Nieren, 800 bis 1000 Herzen, 300 Bauchspeicheldrüsen und etwa 200 Lungen benötigt. Die häufigste und bevorzugte Organtransplantation ist die von einem toten Spender auf einen Empfänger, wenn Blutgruppen- und Gewebeübereinstimmung sowie eine Reihe weiterer Voraussetzungen gegeben sind. Im Falle von Niere und Leber kann auch die Organspende durch lebende Verwandte, Angehörige und Freunde erfolgen. Die Schere zwischen Bedarf und vorgenommenen Transplantationen öffnet sich immer weiter, d.h. es fehlen Spenderorgane. Dadurch müssen Menschen sterben. Für diese Situation sind im wesentlichen zwei Ursachen zu nennen: eine im Vergleich zu anderen Ländern geringere Bereitschaft zur Organspende sowie nicht optimale Organisationsstrukturen, Logistik und Engagement von Ärzten. Nach einer Analyse der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) haben in den letzten zwei Jahren die Meldung und Anzahl potentieller Spender aus den Krankenhäusern zugenommen, jedoch sind auf Grund einer hohen Ablehnungsquote (37%) die Organentnahmen nicht in gleicher Weise angestiegen. Nur 4% der potentiellen Spender hatten einen Spenderausweis, von 9% war der erklärte Wille bekannt. In der Mehrzahl wird die Entscheidung durch die Angehörigen getroffen, denen damit eine große Bürde auferlegt wird.

Drei Fragen und Antworten zur Organspende

Es werden häufig drei Argumente genannt, die die ablehnende Haltung zum Tragen eines Organspendeausweises bzw. die Zustimmung zur Organentnahme begründen: 1. Ist gesichert, dass die Organentnahme nur erfolgt, wenn der Mensch tatsächlich tot ist? Diese Situation ist heute sowohl juristisch als auch medizinisch durch das Transplantationsgesetz und die dazu erlassenen Richtlinien geregelt, so dass diese Bedenken ausgeräumt werden können. 2. Bin ich für eine Organspende nicht zu alt? Tatsache ist, dass die Organspende und -entnahme zunehmend auch bei älteren Patienten erfolgt. In Ländern mit einer hohen Organspendeaktivität (z.B. Spanien, Österreich, Belgien) sind 20% der Spender älter als 56 Jahre. Das kalendarische Alter spielt zumindest bis zum 70. Lebensjahr keine Rolle, wichtig ist das biologische Alter. 3. Bin ich überhaupt geeignet, wenn ich krank war oder bin? Selbstverständlich wird durch eine gründliche Untersuchung festgestellt, ob eine Person als Organspender überhaupt in Frage kommt.

Ein Organspender kann mehrere Patienten retten

Heute wird bei der Einwilligung zur Organspende, wenn es möglich ist, eine Multiorganentnahme vorgenommen, d.h. wenn die Organe gesund sind, werden das Herz, die Lungen, die Leber, die Nieren, die Bauchspeicheldrüse und die Hornhaut entnommen. Damit können durch einen Organspender in der Regel mehrere Patienten vor dem Tod bewahrt werden. Es besteht auch die Möglichkeit, bei kleinen oder älteren Spendern beide Nieren für einen Patienten zu verwenden. Mit einer Leber können durch sogenanntes "Splitting" (Teilung) ein Kind und ein Erwachsener, künftig wahrscheinlich auch zwei Erwachsene mit einem Transplantat ausreichender Funktion versorgt werden. Bei der Lebendspendetransplantation werden eine Niere oder ein Teil der Leber verpflanzt. Danach können sowohl der Spender als auch der Empfänger sehr gut mit den funktionstüchtigen Teilorganen leben. Jeder Mensch sollte sich bewusst sein, dass er jederzeit selbst in die Lage kommen kann, nur durch ein Spenderorgan vor dem Tode gerettet zu werden und weiter ein lebenswertes Dasein führen zu können. Unter diesem Aspekt und nach Ausräumung der drei oben genannten Bedenken sollte in der Bevölkerung eine deutlich höhere Bereitschaft zur Organspende vorliegen. Sie kann durch das Tragen eines Organspendeausweises (er ist erhältlich beim Arbeitskreis Organspende, in den zuständigen Transplantationszentren sowie in Apotheken) dokumentiert werden. Die Organspende ist Ausdruck einer zutiefst humanistischen und christlichen Einstellung. Auf dem diesjährigen Weltkongress für Organtransplantation in Rom hat der Papst vor den etwa 10000 Teilnehmern die eindeutig positive Stellung der katholischen Kirche - und dies gilt fraglos auch für die evangelische Kirche Deutschlands - in seinem Bekenntnis zur Organtransplantation ausgedrückt. Wir sollten diesem Aufruf folgen und im Tode Leben spenden für unheilbare oder todgeweihte Kranke. "Nehmt Eure Organe nicht mit in den Himmel, er weiß, dass sie hier gebraucht werden..."

Prof. Dr. Günter Stein, Prof. Dr. Heide Sperschneider, Innere Medizin IV

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10 Jahre Fertilitätsvorsorge für Tumorpatienten

Optimierung und Individualisierung der zytostatischen Chemotherapie im hohen Lebensalter

Andrologie
Das Team der Abt. Andrologie

Eine andrologische Sprechstunde in der Jenaer Universitäts-Hautklinik gibt es seit fast 50 Jahren. Die ersten wissenschaftlichen Aktivitäten waren damals unter der Leitung des Ordinarius Prof. Dr. Heinz Langhof auf Zusammenhänge zwischen Infertilität des Mannes und beruflichen Einflussfaktoren gerichtet. Die moderne Andrologie beschäftigt sich heute mit Fragen der Fertilität und ihrer Kontrolle, der Sexualität und ihren Störungen sowie Krankheitserscheinungen in der sexuellen Reifezeit bzw. in der Seneszenz. Spezielle Leistungen des Andrologischen Labors sind die computerassistierte Spermaanalyse, seminalbiochemische Funktionstests, Chemolumineszenz und Fluoreszenz zur ROS-Bestimmung, immunomagnetische Zellseparation, Kultivierung von Sertolizellen, HPLC zur Leukotrienbestimmung, ELISA-Technik zur Inhibin B- und Elastase-Bestimmung, sowie die Spermakryokonservierung. Seit genau 10 Jahren existiert in der Abteilung auch eine Bank zur Lagerung kryokonservierter Spermienzellen, die junge Patienten aus ganz Thüringen und anderen Bundesländern vor einer Krebsbehandlung (z.B. Hodentumoren, hämatologische Tumoren) einlagern können. Die speziellen onkologischen Therapien (Operation, Polychemotherapie, Strahlentherapie) belasten in erheblichem Maße die Zeugungsfähigkeit des jungen Patienten. Mit der Konservierung besteht die Möglichkeit, die Familienplanung zu einem späteren, individuell ausgewählten Zeitpunkt anzugehen, wobei dann im Erbgut unbelastete Spermien verwendet werden können. Inzwischen sind in die Bank seit 1990 ca. 6.000 Konserven junger Tumorpatienten eingelagert worden. Bei Abruf der Konserven wird in einer Gemeinschaftssprechstunde mit der Universitätsfrauenklinik und dem Institut für Humangenetik die gemeinsame Strategie der Behandlung beraten.
Denkbare Indikationen zur Spermakryokonservierung sind: Verbesserte Lebensprognosen durch optimierte Tumortherapien gehen mit einer Zunahme der Fertilitätserwartung einher. Der Erkenntnisstand über die tatsächliche Kinderwunsch-Motivation des jungen Tumorpatienten, über Bewältigungsstrategien und schließlich die Akzeptanz assistierter Reproduktionstechniken lässt jedoch noch viele Fragen offen. Ein wissenschaftliches Projekt gemeinsam mit dem Institut für Medizinische Psychologie widmet sich daher dieser Problematik. Erste Ergebnisse wurden auf dem III. Internationalen Grazer Andrologie-Symposium, zugleich XII. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Andrologie, vorgetragen. Das Ziel ist die adäquate Information des Patienten/des Paares über die Möglichkeit einer Fertilitätsvorsorge vor Tumortherapie und die Möglichkeiten des späteren Einsatzes von Zellkonserven. Dabei ist die interdisziplinär abgestimmte Führung und Betreuung des Patienten/des Paares gefordert.

Prof. Dr. Gerhard Schreiber (e-mail: gerhard.schreiber@derma.uni-jena.de)

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