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KM-Titelstory:     "Tag der Gesundheitsforschung"

"Tag der Gesundheitsforschung"
Fotos: Schacke

Wenn der "Motor" stottert...

Mehr als eintausend Besucher nutzten die Angebote der Jenaer Herzspezialisten

Als vor 40 Jahren der Kardiologe Andreas Grüntzig den ersten Herzkatheter bei einem Patienten einsetzte, glich das einer medizinischen Sensation. Doch der Eingriff war nicht unumstritten und die Technik brauchte einige Zeit, um sich an den großen europäischen und amerikanischen Kliniken zu etablieren. Heute ist sie längst Routine, sie hat sich millionenfach bewährt, wurde immer weiter verbessert und ist sicher in der Handhabung.
Wie ein solcher Kathetereingriff funktioniert, konnten mehrere hundert Besucher in den Hörsälen des Lobedaer Klinikums während einer Live-Videoübertragung aus dem Herzkatheterlabor miterleben. PD Dr. Markus Ferrari beseitigte eine Koronarstenose, eine gefährliche Verengung der Herzkranzgefäße, bei einer 50-jährigen Patientin und setzte danach einen Stent, um das Gefäß auch nach dem Eingriff offen zu halten und den normalen Blutfluss sicherzustellen. "Das war hoch interessant, und wie verständlich der Professor das erklärt hat, war wirklich Klasse", zeigte sich eine etwa 70-jährige Apoldaerin begeistert. Am Ende gab es viel Applaus für Klinikdirektor Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla und Dr. Ferrari, der außerdem das Geheimnis lüftete, was der Kardiologe im Herzkatheterlabor unter dem Kittel trägt: Eine Bleischürze, um sich vor den Röntgenstrahlen zu schützen, die für die Kontrolle des kardiologischen Eingriffs derzeit noch unverzichtbar sind.
"Herz – Motor des Lebens", lautete das Motto des diesjährigen, dritten "Tages der Gesundheitsforschung" am 25. Februar 2007, der bundesweit zehntausende Interessierte in die Kliniken lockte. Weit mehr als 1000 Besucher – aus Jena und Umgebung sowie aus den benachbarten Städten und Landkreisen Thüringens und angrenzender Bundesländer – informierten sich am Universitätsklinikum Jena über das menschliche Herz und die neuen faszinierenden "Reparaturmöglichkeiten", wenn der "Motor" einmal ins Stottern geraten oder ganz ausfallen sollte.
Pausenlos im Einsatz waren die Kardiologen und Herzchirurgen sowie zahlreiche Mitarbeiter verschiedener anderer Einrichtungen des UKJ, die mit Sachkenntnis und viel Geduld die Fragen der Besucher beantworteten und dafür sorgten, dass der "Tag der Gesundheitsforschung" ein voller Erfolg wurde.
Lange Schlangen bildeten sich in der Poliklinik der Klinik für Innere Medizin I, wo Gefäßuntersuchungen mit dem Doppler-Sonographen, Lungenfunktionstests und Herzultraschalluntersuchungen durchgeführt wurden. Da war viel Geduld erforderlich. "Schauen Sie sich doch erst einmal in der Magistrale um, besuchen Sie die Demonstrationen und Untersuchungen in den Seminarräumen oder hören Sie sich einen der Vorträge in den Hörsälen an. Gegen Mittag wird sich die Situation in der Poliklinik ganz gewiss entspannt haben..." Ein gut gemeinter, aber etwas blauäugiger Tipp. Der Andrang hielt bis zum Ende der Veranstaltung um 16 Uhr unvermindert an. Noch kurz vor Toresschluss machten sich einige Unentwegte in Richtung Poliklinik auf den Weg.
Großes Interesse auch in den Hörsälen. In einer weiteren Live-Übertragung aus dem Herzkatheterlabor wurde ein Patient mit einem Loch in der Herzscheidewand von Prof. Figulla erfolgreich behandelt. Vorträge, unter anderem zur Bypass-Chirurgie am schlagenden Herzen, zum akuten Myokardinfarkt, zur minimalinvasiven Herzchirurgie, zu Herztransplantationen, zum Herzklappenersatz sowie zu Stand und Perspektiven der Stammzellforschung machten die zahlreichen Besucher mit den neuesten Entwicklungen in der Kardiologie und in der Kardiochirurgie bekannt. In den Seminarräumen gab es umfassende Informationen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung, zum Kunstherzen und zu verschiedenen modernen Herzunterstützungssystemen, zur Klappenchirurgie, zum Einsatz neuer Herz-Lungen-Maschinen, zu Herzschrittmachern und zur Spaghetti-Elektrode. Besuchermagneten waren auch die Expertengespräche, wo über Herztransplantationen und Klappenersatz, Herzschwäche, Herz-Rhythmusstörungen und Durchblutungsstörungen der Beine sachkundig informiert wurde und die Möglichkeit bestand, sich von den anwesenden Fachleuten individuell beraten zu lassen. "Ich habe seit einiger Zeit Durchblutungsprobleme in den Beinen, bisher konnte mir niemand sagen, woran das genau liegt. Heute hat man mir endlich weitergeholfen", sagte dankbar ein älterer Herr aus Jena beim Verlassen des Klinikums. Auch von anderen Patienten gab es viel Lob für die exzellente Beratung durch die Mitarbeiter der Kliniken. In der Magistrale bestand die Möglichkeit der Blutdruck- und Blutzuckermessung, was ebenfalls von zahlreichen Besuchern genutzt wurde. Hier konnte man aber auch Herzschrittmacher, Defibrillatoren, Herzkatheter und anderes kardiologisches Instrumentarium aus der Nähe betrachten und sich über dessen Funktionsweise aus erster Hand informieren.
Über die große Zahl und das Interesse der Besucher freuten sich die Direktoren der Klinik für Innere Medizin I, Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla und der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie, Prof. Dr. Jan Gummert: Ein solcher Tag ist ideal, um mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen, und sie über die vielfältigen Möglichkeiten unserer Fachgebiete und der interdisziplinären Zusammenarbeit am Klinikum und darüber hinaus zu informieren, waren sich beide einig.
Doch nicht nur Diagnostik und Therapie, auch die Prophylaxe von Erkrankungen des Herzkreislaufsystems stand auf der Agenda des "Tages der Gesundheitsforschung". Die Raucherentwöhnung warnte nicht nur vor den außerordentlich negativen Auswirkungen des blauen Dunstes auf unseren "Motor", sondern gab auch Hilfestellungen für ein Leben ohne Zigarette. Auf die Bedeutung der Ernährung für ein gesundes Herz wies eindringlich die Diätberatung hin. Dass herzgesunde Kost sogar schmeckt, bewiesen die Mitarbeiter der Klinikumsküche eindrucksvoll: Mit einem reichhaltigen Buffet und zwei schmackhaften Menüs, die am "Tag der Gesundheitsforschung" 750 Mal verzehrt wurden. mv

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